Mein Rad

Eigentlich ist mein Rad ein unmögliches Rad. Hin und wieder werde ich von den Besitzern gestylter Rennräder belächelt. Aber man kann mindestens 21 Stunden hintereinander gut darauf sitzen und steile Berge damit nehmen. Bei schlechtem Straßenbelag, Schlaglöchern oder sandigen Wegen ist es jedem Rennrad überlegen. Wenn Ihr mit der Maus über das folgende Bild wandert, dann könnt Ihr etwas über die Details erfahren.

"" Mein Rad

Anfang 2006 hatte ich mein Rad mit einer 8-Gang Schaltnabe (Shimano Nexus Inter-8 Premium) ausgestattet. Die Schaltnabe fährt sich leicht. Subjektiv spürt man den im Vergleich zur Kettenschaltung etwas schlechteren Wirkungsgrad nicht. Der Antritt ist gewohnt hart, was ich in Anbetracht des komplizierten Innenlebens einer Schaltnabe nicht erwartet hätte. Die Gangabstufung ist vergleichbar mit meiner alten 1x8 Kettenschaltung (siehe Bild unten). Nur der Wechsel zwischen dem 5. und 6. Gang ist mir etwas zu groß. Dafür liegt der 1. Gang entsprechend tiefer übersetzt, was bei steilen Bergen für Entspannung sorgt. Gegenüber der Variante mit 1x8 Kettenschaltung ist das Radgewicht nur um 500 g gestiegen.

Übersetzungsverhältnisse

Der rahmenbedingt benötige Kettenspanner ist etwas störend. Anfangs fiel er durch stärkere Geräusche auf. Abhilfe habe ich durch das Verringern der Vorspannung auf das mögliche Minimum und den Austausch des kleinen Schaltungsrädchens durch ein Großes erreicht (siehe Bild unten)... Weil das bei schlecht geölter Kette immer noch Lärm gemacht hat, habe ich die Spannfeder vollkommen entfernt. Mit ein paar Feilstrichen über die Außenkante der inneren Drehachse des Kettenspanners kann ich den Kettenspanner jetzt einfach in der gewünschten Stellung durch Festziehen der Befestigungsschraube feststellen. Auf die Kette wird nun durch das Schaltungsrädchen keine Spannkraft mehr ausgeübt. Trotzdem kann sie nicht abspringen, weil sie einfach zu kurz ist, um von den Zähnen des Ritzels, des Kranzes und des feststehenden Schaltungsrädchens zu gleiten.

Inzwischen habe ich gut 7000 km mit der Nabe zurückgelegt. Von Verschleißerscheinungen habe ich bis jetzt nichts bemerkt. Irgendwann, nach der Einfahrzeit fing die Nabe allerdings an im 3. und 7. Gang Klicker-Geräusche zu erzeugen (wie manche 3-Gang-Naben). Das wäre normal, hat man mir in der Werkstatt versichert. Es ist auch nicht besonders störend. Kettenschaltungen sind teilsweise lauter. In der Praxis hat sich der größere Übersetzungssprung zwischen 5. und 6. Gang nicht als Einschränkung herausgestellt.

Auf das Drehmoment, mit dem man die Achsmuttern anzieht, sollte man sein Augenmerk richten. Mir ist es gelungen beide Muttern mit einem normalen Knochen zu überdrehen und das, wie ich meine, bei nicht zu großem Drehmoment (angegeben sind 30-45 Nm). Glücklicherweise bewirkt das weiche Material der Radmuttern nicht nur das leichte Überdrehen sondern verhindert gleichzeitig eine Beschädigung des Gewindes der Nabenachse. Die Stützmomentaufnahme mit Hilfe der abgeflachten Nabenachse und der "non-turn washer" (auf Deutsch vielleicht: "Nicht-Dreh-Unterlegscheibe") scheint mir etwas schwach dimensioniert. Sie funktioniert, macht aber keinen sehr soliden Eindruck.

8-Gang-Nabenschaltung Es gibt verschiedene "non-turn washer" für unterschiedliche Ausfallenden. Eigentlich braucht man sie, um bei unterschiedlichem Winkel des Ausfallenden-Schlitzes sicherzustellen, daß die Zugaufnahme für den Schaltzug immer horizontal und somit parallel zur Kettenstrebe verläuft. Da die Schaltzugverlegung beim MTB-Rahmen meist über das Oberrohr verläuft, kann man diese dann schlecht verwenden. Ich habe deshalb mit verschiedenen "non-turn washers" experimentiert, um die Zugaufnahme parallel zur Sattelstrebe verlaufen zu lassen. Im Bild ganz oben sieht es noch etwas abenteuerlich aus. Inzwischen habe ich auch eine bessere Stellung, die wirklich fast parallel zur Sattelstrebe verläuft, gefunden. Der Schaltzug geht jetzt dicht an der Kette vorbei, es ist aber soviel Platz vorhanden, daß es nicht zu Berührungen kommt. Ich kann somit die originale Schaltzugverlegung des Rahmens über das Oberrohr verwenden.

8-Gang-Nabenschaltung Insgesamt bin ich mit der Nabe zufrieden. Es gibt da ein paar entscheidende Vorteile gegenüber einer Kettenschaltung. Als erstes wäre da der Schaltkomfort zu nennen. Wem ist es noch nicht passiert, daß der Berg plötzlich doch steiler war als angenommen und man schnell kurz vor dem Stillstand versucht hat 'runterzuschalten. Die Alternativen bei einer Kettenschaltung lauten in diesem Moment: Umfallen, weil man nicht mehr schnell genug aus den Padalen kommt oder mit aller Gewalt versuchen, doch ein bißchen schneller zu werden, um dann schnell den niedrigeren Gang reinzuwürgen. Wobei dann oft die Kette abspringt und man mächtig auf die Schnauze fliegt. Mit einer Schaltnabe sieht man das gelassen, man kann im Stand schalten. Womit wir schon beim zweiten Vorteil wären. Die Kette kann praktisch nicht mehr abspringen oder gegen die Kettenstrebe schlagen.

Nun kommen wir zu den Vorteilen bei der Wartung: Kettenverschleißmessung und Kettentausch alle 3000 km, das war gestern. Solange die Kette nicht über die Zähne springt, kann man sie fahren. Da sie vorne und hinten immer über das gleiche Kettenblatt/Ritzel läuft, ist der Verschleiß an Kette und Zähnen gleich und ein Springen der Kette wohl erst zu erwarten, wenn keine Zähne mehr da sind. Verschwiegen werden soll allerdings nicht, daß die Kette einer Nabenschaltung sich trotzdem über eine Wartung freut. Eine schlecht geschmierte und verschmutzte Kette verschlechtert den Wirkungsgrad, wie ich finde merklich. Da gibt es also keinen Unterschied zur Kettenschaltung.

Und dann ist da noch die Sache mit der Einstellung. Bei der Schaltnabe ist das kinderleicht. Es gibt nur eine Rändelschraube zum Justieren. Durch die längeren Wege des Bowdenzuges beim Gangwechsel ist ein Nachjustieren, wie es bei Neunfach- Kettenschaltungen bald bei jeder längeren Tour nötig ist, äußerst selten von Nöten.

Letztlich wird nun die Laufleistung entscheiden, ob meine nächste Schaltung wieder eine Nabenschaltung sein wird. Leider ist im Netz zu dieser Frage nicht viel zu finden. Bei Utopia Velo findet man einige interessante Informationen und vage Angaben zur Lebensdauer. Shimano selbst gibt nur einen Wartungsintervall von 5000 km an, womit wir bei einen echten Nachteil wären. Alle 5000 km muß man in die Werkstatt. Wenn jemand Erfahrungen mit der Lebensdauer von Schaltnaben hat, wäre es schön, wenn er mir diese per e-mail zukommen ließe.

Nachtrag vom 27.09.08: Also letzte Wochen habe ich mein Rad wieder auf eine Kettenschaltung 1x9 umgerüstet. Und das nicht weil die Nabenschaltung schlecht wäre, sondern viel mehr vom Basteltrieb gesteuert. Mit einem Ritzel mit 11-34 Zähnen ist der Übersetzungsbereich der Kettenschaltung ähnlich dem der Nexus Nabenschaltung. Der Bereich verteilt sich aber auf einen Gang mehr, wodurch zu große Gangsprünge, wie oben bemängelt, vermieden werden. Subjetiv fährt sich die Kettenschaltung etwas leichter. Wobei der Vergleich einer nagelneuen Kettenschaltung mit einer fast 13.000 km gefahrenen Nabenschaltung zugegeben etwas unfair ist. Nach fast 3 Jahren Erfahrung mit der Nabenschaltung würde ich sagen, daß beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben. Die Wahl bleibt dem Anwendungsfall und dem persönlichen Geschmack überlassen.

Noch ein Nachtrag vom 24.08.09: Ich dachte, es wäre eine gute Idee das Hinterrad mit Nabenschaltung nochmal von der Kellerwand zu nehmen, die Schaltung schmieren zu lassen und mein Rad wieder auf Nabenschaltung umzurüsten. Alles in allem hat das Umrüsten fast drei Stunden gedauert. Dann habe ich mit dem Rad und der "neuen" Nabenschaltung eine kleine Runde von 25 km gedreht. Es war enttäuschend. Ungewohnt große Gangsprünge, schwergängiger Schalthebel (obwohl alles neu gefettet war) und ein subjektiv deutlich spürbarer schlechterer Wirkungsgrad als bei der 1x9 Kettenschaltung. Einen Tag später habe ich die Kettenschaltung wieder angebaut. Dabei sind dann deren Nachteile wieder zu Tage getragen. Es hat ewig gedauert des alte Ritzelpaket und die Kette einigermaßen zu säubern. Die Kettenrädchen am Umwerfer waren unter einer dicken Öl-Sand-Kruste kaum noch zu finden. Aber die Kettenschaltung fährt und schaltet sich mit Abstand besser. Mein verändertes Fazit: Diese Nabenschaltung taugt nur für Gelegenheitsfahrer.

Hollandsattel Thema Sattel: Nach wie vor schwöre ich auf einen breiten Hollandsattel. Auch nach der vorletzen Vätternrundan, bei der ich fast 21 Stunden auf dem Sattel verbracht hatte, gehörte ein schmerzender Ar... nicht zu meinen Problemen.

Trainingsbügel Ein Trainingsbügel erlaubt wesentlich entspanntere Griffpositionen als ein normaler MTB-Lenker. Mehrere Leser haben mich gefragt, wo man so einen Trainingsbügel noch bekommen kann. Ich habe lange nach einem Hersteller gesucht und nur noch die Firma Humpert gefunden. Der Lenker heißt "Toulouse".

Hier geht es weiter zu meiner Lieblingstrainingsrunde um die Müritz.

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