Telemark Tours 2007

Link zur offiziellen Seite In diesen Jahr ist unser Freund Klaus leider verhindert. Das ist sehr schade, nicht nur wegen der ständigen Witze, die er auf so einer Tour macht. Eigentlich wollte er die Telemark Tours mit Peter zusammen fahren. Nun bin ich für ihn eingesprungen und werde mir Mühe geben es an seiner statt zu schaffen.

Juni 2007.

Die Telemark empfing Peter und mich mit Kälte und Regen. Kurz nachdem wir gegen 18.00 Uhr die Fähre in Larvik mit dem Auto verlassen hatten, hatte es zu regnen angefangen und es sollte für 24 Stunden nicht mehr aufhören.

Ankunft in Larvik

Den einzigen Campingplatz in Skien gab es nicht mehr und ein Hotelzimmer sollte etwa € 100.- pro Nacht und Person kosten. Der nächstgelegene Campingplatz (Gåsodden Camping) war geschlossen. Das behauptete jedenfalls die Verwalterin nachdem sie uns zwei unrasierten, nicht ganz frisch wirkenden alten Säcke in Augenschein genommen hatte.

Unsere Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Wenn das Wetter so bleiben sollte, würde der Marathon eine Tortur werden. Wir fuhren die ca. 15 km zurück ans Meer nach Porsgrunn. Im Ortsteil Nystrand sollte es einen offenen Campingplatz geben. Und so war es dann auch. Bei leichtem Nieselregen bauten wir unsere Zelte auf. Wir sind dann bald im Zelt zur Nachtruhe verschwunden. Die ganze Nacht pladderte der Regen gegen die Zeltwände.

Den Freitag verbrachten wir mit einer kurzen Besichtigung von Skien im Regen und mit Schlafen. Ab 18.00 Uhr hatte das Organisationsbüro im Ibsen-Haus offen. Wir holten unsere Startnummern. Zum Glück sagte man uns, daß es kein Problem sei anstatt um 9.00 Uhr schon um 7.00 Uhr zu starten. Am späten Abend hörte dann auch der Regen auf und wir konnten unsere Räder, die bis dahin noch als Einzelteile im Auto lagen, zusammenbauen.

Tourkarte Streckenkarte der "Lang løype" (252 km).

Samstag 5.45 Uhr. Der Handyalarm weckte uns. Es ging los. Anziehen, kurzes Frühstück im Stehen und los mit dem Auto nach Skien zum Ibsen-Haus. Dort war der Start und das Ziel. Es regnete zwar nicht mehr aber die Straßen waren noch naß und es war kühl. Wir stellten fest, daß wir bei Weitem nicht die Einzigen waren, die um 7.00 Uhr starteten. Das gab ein wenig mehr Mut. Diesmal war ich nicht so aufgeregt, wie gewöhnlich am Start. Ich wollte es einfach auf mich zukommen lassen. Ich hatte keine Ahnung wie groß meine Chancen waren es zu bewältigen. Auf jeden Fall war ich der Einzige auf einem Mountainbike mit Nabenschaltung. Sonst sah man da nur Rennräder.

Am Start

7.00 Uhr, es war soweit. Das Peloton der Frühstarter fing an sich zu bewegen. Ich wußte nicht so genau was nun auf mich zukommen wird. Die Streckenführung hatte sich seit meiner letzten Teilnahme 1998 geändert. Man ist nur noch einen Tag unterwegs, damals waren es noch zwei. Die Strecke beträgt jetzt 252 km. Das Höhenprofil hatte ich mir absichtlich nicht vorher angesehen. Ich glaube, man ist bei so einem Marathon gut beraten, nicht vorher zu wissen, welche Steigungen auf einen zukommen. Leider gab es da wieder diese dämlichen Schilder "200 km til Mål", "190 km til Mål", "180 km til Mål".

Bergauf, bergab entlang idyllischer Nebenstraßen Von Peter hatte ich mich kurz nach dem Start verabschiedet. Er war einfach zu schnell für mich. Ich wußte, daß ich mein eigenes Tempo fahren müßte. Die ersten 80 km geht die Strecke eigentlich stetig bergauf. Ich konnte meinen Rhythmus nicht finden und hatte deshalb wenig Hoffnung das Ziel aus eigener Kraft zu erreichen. Was macht man in einer derartigen Situation? Ich habe den Tipp aus Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" der da heißt "Drop the thoughts" versucht zu beherzigen und bin einfach weiter gefahren.

Depot am Gautefall

Nach dem zweiten Verpflegungspunkt am Gautefall ging es dann erstmal wieder bergab. Und das ziemlich schnell. Ich bin eine schnurgerade Straße mit maximal 68 km/h herunter ins Tal gesaust. Ich hatte einen herrlichen Blick über das Land und konnte spüren wie mir langsam leichter ums Herz wurde. Der Druck, die Tour schaffen zu müssen (weshalb auch immer) fiel von mir. Eigentlich war es mir jetzt egal. Ich war frei und weit weg von allem Ärger mit der Arbeit und frei von allem was mich sonst noch so bedrückt. Es war auch kein anderer Radfahrer zu sehen. Ich war alleine mit mir selbst irgendwo in den norwegischen Bergen.

Wieder im Tal folgte die Strecke lange Zeit dem Ufer des Nisser Sees. Bei mir stellte sich ein Gleichgewicht ein. Das Treten war keine Anstrengung mehr und die Gedanken begannen still zu stehen. Man fährt sozusagen in einem zeitlosen Raum. Vergangenheit und Zukunft verschwinden aus den Gedanken. Wahrscheinlich erreicht die Gehirnaktivität dabei die einer Kuh, die langsam bei sonnigem Wetter mit vollem Bauch über die Weide schreitet um sich alsbald zum Wiederkäuen hinzulegen.

Kvitseidsvatnet

Die Strecke bis 80 km vor dem Ziel meisterte ich ohne Probleme. Auch der steile Brunkeberg, den ich mit 6 km/h erklommen hatte, hatte keine Schwierigkeiten gemacht. Lediglich die besagten Schilder "xxx km til Mål" rissen mich immer wieder kurz in die Wirklichkeit zurück.

Nun wurde es langsam wieder schwieriger. Es gab nun zwar keine großen Berge mehr zu erklimmen, aber die Strecke ging ständig auf und ab. Meine Kräfte schwanden langsam und mir wurde klar, daß 80 km noch ziemlich weit sein können. Nachdem ich das Depot in Seljord verlassen hatte, kam dann eine richtige Krise. Unsere sehr netten Zeltplatznachbarn aus WN, die auch am Marathon teilnahmen und die um 9.00 Uhr gestartet waren, hatten mich dort zum zweiten Mal eingeholt und waren jetzt kurz vor mir vom Depot gestartet. Das Depot wurde aus mir unverständlichen Gründen bereits abgebaut und ich hatte das Gefühl vielleicht doch Letzter zu sein. Die meisten von den nach mir Gestarteten oder eben alle hatten mich bereits überholt. Ich hatte nur einen 76-jährigen Veteranen und seinen Sohn am Brunkeberg überholt, war aber nicht sicher, ob die beiden nicht aufgegeben hatten. Meine Stimmung wurde also schlechter und schlechter. Und letztlich wird so ein Marathon mit dem Kopf bewältigt, den der Körper kann viel viel mehr aushalten als sich der Kopf vorstellen kann.

Am vorletzten Depot kamen dann aber noch ein paar Fahrer von hinten. Das gab mir wieder Mut. Es waren Dänen und Finnen. Einer sprach deutsch und so konnten wir ein paar Worte wechseln. Ich hatte das Gefühl, sie waren besorgt um mich, weil ich so ganz mutterseelenalleine unterwegs war. Ich versicherte ihnen, daß es mir gut ging, was ja nicht so ganz stimmte. Auf meine Frage, was denn noch so an Bergen zu bewältigen wäre verschwiegen sie mir freundlicherweise den letzten Pik kurz vor dem Ziel und sagten, daß ab jetzt nur noch ganz "normale norwegische Landstraßen" kämen.

So 30 km vor dem Ziel geht es dann meist wieder besser. Und so war es auch diesmal. Der letzte Berg vor Skien machte mir keine Schwierigkeiten. Um 22.45 Uhr kurz vor dem Dunkelwerden erreichte ich das Ziel nach 15:45 Stunden. Peter war gut anderthalb Stunden vor mir im Ziel gewesen und hatte nun auf mich gewartet, damit wir zusammen mit dem Auto zum Campingplatz zurückfahren konnten. Meine Freude war nicht ganz so groß wie bei früheren Marathons. Aber trotzdem bin ich natürlich mächtig stolz auf mich und darauf daß ich es mit meinem Mountainbike mit Nabenschaltung geschafft habe. Unser 76-jähriger Veteran und seinen Sohn hatten auch nicht aufgegeben und kamen noch nach mir ins Ziel. Eine grandiose Leistung wie ich finde. Ein echtes Vorbild.

Hier geht es zu meinem nächsten Bericht. Er handelt von der Nordjylland Rundt.