Telemark Tours 1998
Juni 1998.
Bin mit meiner neuen Freundin Marina, meinem neuen (alten) Peugeot 106 mit der Power von 45 (!)
ungestümen Pferden und mit meinem frischen Führerschein auf dem Weg nach Norwegen. Fähre von
Norddänemark nach Larvik. In Larvik holen uns Peter und Klaus vom Hafen ab. Wenn man den Startplatz der
Telemark Tours in Skien nicht kennt, dann findet man ihn ohne Hilfe wahrscheinlich auch nicht. Wir haben aber
Peter und erreichen den Zeltplatz, wo die Tour in zwei Tagen losgehen wird.
Nachdem ich letztes Jahr an der Vätternrundan teilgenommen hatte, ist alles jetzt schon ein
bißchen Routine. Anmelden, Startnummer holen, Rad zusammenbauen...
Wer einen Blick auf die offiziellen Seiten der Telemark Tours wirft, wird auch auf das Streckenprofil
stoßen. Schnell wird dann klar, daß die Vätternrundan vielleicht nur Spaß war und
daß es jetzt ernst werden könnte. Wochen vorher hatten wir das Profil beim Bier in unserer
Stammkneipe studiert. Peter benutzt in solchen Situationen gerne sein Lieblingswort: "Schweinisch".
Schweinische Berge, schweinische Steigungen! Mindestens fünf mal hatte ich zu Hause den Müggelberg
mit meinem Rad erklommen. Leider ist der nicht mal 100 m hoch. Jetzt waren wir nun dort und konnten uns die
"schweinischen" Berge aus der Nähe ansehen.
Wie sich herausstellte, hatte ich mit den Steigungen weit weniger Probleme als mit dem
"Nicht-Schlafen-Können" bei der Vätternrundan. Der erste Renntag verlief ohne Probleme.
Das Wetter war gut und die Landschaft hat Peter und mich mit immer neuen Ausblicken verwöhnt.
Unsere Sherpas, Marina und Klaus hatten am ersten Renntag unser "Zeltlager" von Skien nach Rjukan,
dem Ende der ersten Etappe verlegt. Und uns am Abend verwöhnt. So konnten Peter und ich gut schlafen und
brauchten nicht ins Gemeinschaftsquartier in einer Schule.
Am zweiten Tag spielte das Wetter nicht mit. Das kündigte sich bereits in der Nacht an. Die Regentropfen prasselten unaufhörlich gegen die Zeltwand. Morgens um 5 Uhr hatte ich dann eine kleine Sinnkrise. Meine Knochen taten weh, im Schlafsack war es so schön warm. Eigentlich war es doch auch schon ganz gut, daß ich den ersten Tag geschafft hatte. Vielleicht sollte man einfach liegenbleiben ....
Gegen 6 Uhr saß ich wieder auf meinem Rad am Start. Peter war schon los. Einer von den ganz Harten
hatte uns auf unserem Zeltplatz belächelt, als wir die Räder aufs Autodach gehievt haben, um uns
die 6 Kilometer zum Start bringen zu lassen. Er hatte uns am Abend erzählt, er mache die Tour nur als
kleines Training für Trondheim-Oslo.
"Trondheim-Olso" ist so ein Zauberwort. Die gemeinen Radfahrergespräche verstummen dann...
"Du bist Trondheim-Olso gefahren?" "Ja!, x-mal", hatte er gesagt. Wir haben uns
gefühlt, als wenn man in der U-Bahn neben seinem ganz großen Chef sitzt und es zu spät merkt
(was ja zum Glück nie vorkommt, weil der nie U-Bahn fährt).
Der zweite Tag ist kurz beschrieben: Schweinische Steigungen; Regen; Nebel; eiskalte, nasse Füße;
mit 15 km/h bergab, weil der Fahrtwind so kalt war; Ziel erreicht; Glücksgefühl.. Peter war kurz
vor mir im Ziel.
Diesmal haben wir unsere Siegesfeier am gleichen Abend gemacht. In Norwegen ist es sehr zu empfehlen, vor
einem Bierabend ausgiebig radzufahren. Man kann dann mit sehr wenig Bier sehr viel erreichen. Und die
Reserven reichen dann vielleicht. Man muß nicht nachkaufen.
Kurz, wir waren "dun" und glücklich. Weiter zur Sjælland Rundt.